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Im Eissturm der Amsel

Im Eissturm der Amsel

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Pierre DuMont ist ein junger Abenteurer, der um 1809 am Yellowstone unterwegs ist, um als Voyageur sein Glück zu machen. Doch nicht nur die Wildnis ist ein unbarmherziger Gegner, sondern vor allen Dingen feindliche Indianerstämme machen ihm und seinen Freunden das Leben schwer. Er heiratet die Mandan-Indianerin Mato-wea, um eine Lebensversicherung in der Wildnis zu haben. Es ist eine Zweckehe auf Zeit, denn selbstverständlich möchte er bei seiner Rückkehr nach St. Louis eine ehrbare weiße Frau heiraten. Als die kleine Claire geboren wird, kommen ihm Zweifel an seiner reichlich pragmatischen Einstellung, denn er muss zugeben, dass ihm weit mehr an Mato-wea und der kleinen Tochter liegt, als er vorgesehen hatte. Als Blackfeet den Posten überfallen, gerät sein Leben außer Kontrolle.

Eine spannende Geschichte aus der Zeit des Pelzhandels am Oberen Missouri – erzählt aus drei Blickwinkeln: dem französischen Trapper Pierre DuMont, seiner indianischen Frau Mato-wea und Wambli-luta – einem selbstbewussten und gefährlichen Lakota-Krieger. Auch Wambli-luta und Mato-wea verbindet das Schicksal, denn bei einem Angriff auf das Dorf der Mandan hatte er ihr Leben verschont und glaubt seitdem an eine Fügung der Geister. Die Lebenspfade der drei Personen verknüpfen sich auf abenteuerliche Weise.

Rezension im Magazin fĂĽr Amerikanistik 2/2020

Rezension im Amerindian Research Band 15/2 (2020)

Der amerikanische Pelzhandel war das erste Multimilliarden-Dollargeschäft in Nordamerika. Die groĂźen Kolonialmächte – England, Frankreich, Spanien – kämpften um ihre Anteile auf diesem ertragrei- chen Markt. Und die Indianerstämme zo- gen in der frĂĽhen Zeit, im 18. und zu Be ginn des 19.  Jahrhunderts, erhebliche Vorteile aus diesem Handel, da er sie mit den begehrten Waren des weiĂźen  Mannes – Feuerwaffen, Metallwerkzeugen, Kesseln, Stoffen, Decken und Alkohol versorgte. So begann es im Waldland des amerikanischen Ostens und setzte sich in den Fernen Westen fort. Besonders die Lewis-&-Clark-Expedition fungierte als eine Art „TĂĽröffner“ fĂĽr die global arbeitenden Pelzkompanien. Johann Jacob Astor war der erste, der eine Handelsgesellschaft bis zum  Pacific schickte. Manuel Lisa, William Henry Ashley und  andere fuhren den Missouri aufwärts, um Handelsposten einzurichten und Kontakte zu den Indianerstämmen zu knĂĽpfen, die bis dahin nur mit den von Kanada aus agierenden Englän- dern, etwa der „Hudson’s Bay Company“, Geschäfte gemacht hatten. Aber es gab in dieser frĂĽhen Zeit auch viele unabhängige Trapper und Mountain Men, so wie Pierre DuMont, einen jungen Abenteurer, der um 1809  am Yellowstone unterwegs war. Er steht im Mittelpunkt dieser groĂźangelegten Erzählung von Kerstin Groeper. DuMont heiratete die Mandan-Frau Mato-wea. Viele Trapper und Pelzhändler heirateten indi- anische Frauen, weil sie damit automatisch Mitglieder der Stämme ihrer Frauen wurden und  gegebenenfalls Schutz fanden. FĂĽr die Frauen in den Indianervölkern bedeutete die Ehe mit einem weiĂźen Mann eine soziale Aufwertung, fĂĽr den Trapper war sie eine Lebensversicherung.  Manche dieser Männer hatten noch  eine „weiĂźe Familie“ auĂźer- halb der Wildnis. Aber viele liebten ihre indianischen Frauen und Kinder. Es waren nicht nur pragmatische, rationale Verbindungen. Noch heute findet man in den nordwestlichen Reservationen Nachkommen von solchen Ehen; bei den Blackfoot etwa die Familie Kipp, bei den Lakota auf Pine Ridge die Bordeauxs – Nachfahren des zeitweiligen Chefs von Fort Laramie.

Als DuMonts Tochter bei den Mandan geboren wird, kommen ihm erste Zweifel an seiner Einstellung. Er muss zugeben, dass seine GefĂĽhle fĂĽr Mato-wea viel  tiefer  sind,  als  er zunächst geglaubt  hat. Als  Blackfeet den Handelsposten ĂĽberfallen, gerät sein Leben auĂźer Kontrolle. Den Leser erwartet eine Geschichte von atemloser Dramatik und emo- tionaler Größe. Eine Geschichte von Tragik und GlĂĽck und  trotz einer teilweise  unbarmherzigen  Umwelt  von  warmer, tiefer  Menschlichkeit.

Das alles ist verwoben mit der frĂĽhen Ă„ra des Pelzhandels, der eine eigene Welt schuf, die den Beteiligten – den Indianervölkern ebenso wie den Händlern und Jägern mit multinationalem Hintergrund – eine strukturelle Stabilität gab. Bei aller Härte dieses Handels und der Lebensbedingungen, herrschten Spielregeln gegenseitigen Respekts, weil man sich gegenseitig brauchte. Diese Welt brach mit dem aggressiven Vordringen landhungriger Siedler und gold- und silbergieriger Prospektoren in sich zusammen. Ein sehr lesenswertes Buch.               Dietmar Kuegler

 "Die Handlung ist frei erfunden, basiert jedoch auf historisch belegten Ereignissen" betont die Autorin. Ihr Nachwort hätte es verdient gehabt, als Vorwort die Leser auf die Schwierigkeit einzustimmen, aus der Geschichte bekannte Personen in die Berichte fiktiver dramatischer Ereignisse korrekt einzubinden. In groĂźer DetailfĂĽlle reflektieren sie das Leben verschiedener Ureinwohnergruppen des Louisiana Territory von 1809-1814 zwischen den FlĂĽssen Missouri und Yellowstone und den Rocky Mountains aus deren Perspektive. Der Roman-Titel bezieht sich auf ein dort zu ertragendes Naturphänomen des Spätwinters, dem man sich in der Regi- on ausgesetzt finden kann und das in aller Eindringlichkeit beschrieben wird. Darunter werden aber auch symbolisch die gesamten kriegerischen Auseinandersetzungen verstan- den, in welche die Protagonisten der Geschichte eingebunden sind: Mitglieder der Fell-Kompanien und Trapper, die jeweils von den USA im Osten und der Kolonialmacht der Engländer im nördlich davon sich erstreckenden Kanada zu ihren Aktivitäten in den Territorien der verschiedenen Stämme der Ureinwohner getrieben werden, und den Letzte- ren, die in kriegerischen Auseinandersetzungen versuchen, an den Gewinnen des Pelzhandels einen entsprechenden Anteil zu erlangen. Sind sie doch diejenigen, die ihre Zeit und Kraft fĂĽr einen GroĂźteil der erjagten und aufbereiteten Felle eingesetzt haben. Die "Geschenke" der Europäer – Pferde und Feuerwaffen – haben ihre Lebensweise bereits stark verändert und stimulieren die kriegerischen Auseinan- dersetzungen. Sie fĂĽhren zu Missverständnissen, auch vor allem wegen der fehlenden sprachlichen Verständigung der indigenen Völker ursprĂĽnglich unterschiedlicher Lebensweise und Kultur und verschiedener Sprachen oder sogar Sprachfamilien. All dies fĂĽhrt zu dramatischen Folgen fĂĽr das persönliche Schicksal Einzelner, deren Leben und Leiden in dem dargestellten Zeitraum von der Autorin sehr gut vermittelt wird. Ihr gelingt es, die Ereignisse weitgehend aus der Weltsicht der unterschiedlichen Protagonisten des kon- kreten Geschehens heraus zu reflektieren. Ihr gelingt es zudem, das tägliche Leben, die Arbeitsprozesse wie rituellen Feste, die Mythen und Märchen so in ihre Darstellung einflieĂźen zu lassen, dass einem die WidersprĂĽchlichkeit der aufeinander prallenden Vorstellungen ĂĽber die kriegerischen Auseinandersetzungen deutlich wird. Ein besonderes Thema ist das Schicksal von Frauen und Kindern, welche diesem Existenzkampf ebenso wie einzelne Protagonisten der kämpfenden indigenen Männer, aber auch der vordringenden Mächte ausgeliefert sind. Es kĂĽndigt sich an, dass diese Auseinandersetzungen zugunsten der fernen Mächte und deren Vorboten sowie schlieĂźlich der Veränderungen wegen der vorrĂĽckenden Siedler entschieden werden. So wird in ein- drucksvoller Weise der Widerstandskampf der einander bekriegenden verschiedenen Ureinwohnergruppen an Einzelschicksalen beleuchtet, die beispielhaft die Tendenzen der historischen Entwicklung aufzeigen: das Leben vieler wird durch den "Eissturm" ausgelöscht.

Die Autorin versteht es, die Lebensweise der Urein- wohner dieser Region Nordamerikas in einem historisch wichtigen Abschnitt so zu reflektieren, dass die Leser an deren Schicksal emotionalen Anteil nehmen, zudem aber viel über die damaligen Kulturen erfahren können. Das Buch ist deshalb zur Lektüre sehr zu empfehlen.

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