Grauer Wolf - ein Indianerjunge will nach Hause

Grauer Wolf - ein Indianerjunge will nach Hause

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Grauer Wolf ist ein kleiner Indianerjunge, der eigentlich nur mit seinen Freunden spielen m√∂chte, doch zusammen mit den anderen Kindern wird er in eine weit entfernte Schule verschleppt. Das Leben dort ist schrecklich, denn anstelle von Liebe und Aufmerksamkeit, wird er mit milit√§rischem Drill und Strafen erzogen. Auch seine Sprache darf er nicht mehr sprechen und seine Haare werden abgeschnitten. Als das Heimweh immer schlimmer wird, fasst er einen mutigen Plan: Zusammen mit zwei anderen Kindern seines Volkes will er die Flucht wagen und nach Hause zur√ľckkehren.  Auf der abenteuerlichen Reise bekommen sie unerwartet Hilfe von Wilbert, einem Tramp.

Eine wahre Geschichte um ein fast vergessenes Verbrechen: Die Erziehung der Indianerkinder in Boarding Schools ‚Äď erz√§hlt f√ľr Kinder ab 9 Jahren.

Leseprobe

Rezension im Amerindian Research

Eines Nachmittags erreichten sie den Ort, den die Wei√üen ‚ÄěSchule‚Äú
nannten. Es war ein riesiges Gebäude, an das einige weitere Gebäude
angrenzten. Mehrere weiße Frauen und Männer standen auf der Veranda
vor dem Eingang und musterten die Ankömmlinge streng. Zuerst
mussten sich die Jungen und Mädchen nach der Größe sortiert aufstellen,
doch es dauerte eine Weile, weil die Kinder die fremden Worte
nicht verstanden. Dann wurden die Jungen und Mädchen getrennt in
die Geb√§ude gef√ľhrt. Als Erstes wurde ihnen die Kleidung abgenommen.
Grauer-Wolf wurde unter eine Dusche gestellt und musste sich
abschrubben, dann bekam er Unterwäsche zugeteilt. Er hatte bisher
immer nur seinen Lendenschurz getragen und wusste nicht, was er
mit diesen seltsamen wei√üen Kleidungsst√ľcken anfangen sollte. Dann
musste er sich auf einen Stuhl setzen und ein Mann mit einer großen
Schere begann, ihm die langen Haare abzuschneiden. Grauer-Wolf war
so entsetzt, dass er aufsprang und versuchte, aus dem Raum zu fl√ľchten.
Zwei Männer fingen ihn wieder ein, packten ihn an den Oberarmen
und schleiften ihn zum Stuhl zur√ľck. Auch andere Jungen wollten aufspringen,
doch als sie sahen, dass es kein Entrinnen gab, ließen sie es mit
ausdruckslosem Gesicht √ľber sich ergehen. Allen Jungen wurden die
Haare kurzgeschnitten. Dann wurden ihnen Hosen, Hemden, Schuhe
und ein weiteres B√ľndel W√§sche √ľberreicht. M√§nner halfen ihnen, sich
anzuziehen; dann standen die Jungen in ihren seltsamen Uniformen
in einer Reihe da und die M√§nner nickten zufrieden. F√ľr Grauer-Wolf
waren es keine Freunde und Helfer, sondern Feinde. Wieder wurde ihnen
das Schild mit ihren Namen umgehängt und sie mussten in einen
weiteren Raum gehen. Hier saß eine Frau an einem Pult, die von jedem
Kind die Herkunft und den Namen in ein Buch schrieb. Dann wählte sie
aus einer Liste einen englischen Namen und schrieb ihn ebenfalls in das
Buch und auf das Schild. ‚ÄěDu hei√üt nun Georg!‚Äú, erkl√§rte sie Grauer-
Wolf mit einem Lächeln. Sie tippte ihn an die Brust und wiederholte den
neuen Namen: ‚ÄěGeorg!‚Äú
‚ÄěSunkmanitu-tanka hota emaciapelo!‚Äú, betonte Grauer-Wolf. ‚ÄěIch hei√üe
Grauer-Wolf!“
‚ÄěNein, nein!‚Äú Die Dame sch√ľttelte energisch den Kopf. ‚ÄěDu hei√üt nun
Georg! Sag deinen Namen!“

AmerIndian Research, Bd. 13/2 (2018), Nr. 48

In diesem Buch f√ľr j√ľngere Leser schildert die Autorin
die Geschichte eines Indianerjungen, der in eine der
sogenannten Boarding Schools geschickt wird. Weitab
von zu Hause wird er dort mit militärischem Drill und
harten Strafen erzogen. Seine Muttersprache ist verboten,
unterrichtet wird in der Sprache der "Weißen".
Mit dieser spannenden Erz√§hlung f√ľr Kinder
spricht Kerstin Groeper eines der dunkelsten Kapitel
der US-amerikanischen Geschichte an. Ihr Romanheld
muss viele Dem√ľtigungen erleiden und entschlie√üt sich
am Ende zur Flucht nach Hause. Auch wenn es sich
um eine fiktive Beschreibung handelt, so ist es doch
eine realistische Darstellung der damaligen Realität.
Und es ist nicht verkehrt, dass diese auch den heutigen
Kindern vor Augen gef√ľhrt wird. So lesen sie, wie die
indianischen Kinder aus der Reservation geholt und in
eine weit entfernte Schule transportiert werden. Kerstin
Groeper beschreibt die Zustände in dieser Schule und
lässt den Haupthelden Grauer Wolf den Entschluss
fassen, nach Hause zu fl√ľchten. Diese abenteuerliche
Flucht gelingt mit Hilfe eines Tramps und ist spannend
zu lesen.
Die Autorin legt hier eine äußerst realistische Schilderung
vor, weitab von irgendwelchen Klischees.
MK

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