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Donnergrollen im Land der grĂŒnen Wasser

Donnergrollen im Land der grĂŒnen Wasser

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MaisblĂŒte, ein junges MĂ€dchen der Choctaw-Indianer am Alabama-Fluss, wĂ€chst wohlbehĂŒtet im Dorf ihres Vaters auf. Ihr HĂ€uptling Tuscalusa ist ein mĂ€chtiger Mann, der von den Nachbarvölkern gefĂŒrchtet wird. Gleichzeitig bereitet sich im hohen Norden der Schildkröteninsel ein junger Mann der Menominee namens Machwao auf seine erste große Handelsreise in den SĂŒden vor. Ihre beiden Leben nehmen eine dramatische Wendung, als MĂ€nner aus einem fernen Land mit seltsamen Helmen und auf bedrohlichen vierbeinigen Monstern mordend und brennend durch das Land ziehen. Die Spanier zerstören auf ihrer Suche nach Gold alles, was sich auf ihrem Weg befindet; doch die schlimmste Gefahr, die von ihnen ausgeht, ist unsichtbar: Krankheiten dezimieren die Urbevölkerung und zerstören dabei blĂŒhende Kulturen. Auch MaisblĂŒte gerĂ€t als Sklavin in die FĂ€nge der spanischen Conquistadores, die auf ihrem Weg nach Norden auch bald fĂŒr Machwao zur Bedrohung werden.  Die Schicksale dieser beiden Menschen verknĂŒpfen sich auf abenteuerliche Weise.

Ein historischer Roman ĂŒber eine fast unbekannte Zeit:

Die Ankunft der Spanier um das Jahr 1540 in Nordamerika

Leseprobe

Rezension im Magazin fĂŒr Amerikanistik

Rezension im Amerindian Research

Autor

Tage vergingen, in denen geerntet, der Mais von den Kolben geschabt und zum Teil zum Trocknen in die Sonne gelegt wurde. Fast hatte MaisblĂŒte das GesprĂ€ch ihres Vaters mit dem Minko vergessen, so sehr war sie mit ihren Arbeiten beschĂ€ftigt. Nur die Ankunft weiterer Krieger aus Nachbardörfern zeugte davon, dass etwas Ungewöhnliches vor sich ging. Die TĂ€ler am
Piachi-Fluss waren fruchtbar und daher dicht besiedelt. Jedes Dorf schickte MĂ€nner zur Verteidigung, wĂ€hrend andere auch dort die Ernte einbrachten. Dann kam ein Kundschafter, den der Sohn des HĂ€uptlings geschickt hatte, mit beunruhigenden Nachrichten zurĂŒck. Er berichtete von dem schnellen VorwĂ€rtskommen der Fremden und mit welcher BrutalitĂ€t sie dabei vorgingen. „Sie haben jedes Dorf auf ihren Weg ausgeraubt und geplĂŒndert! Meine Kundschafter erzĂ€hlen auch von den Dörfern noch weiter im Osten. Dort sind im letzten Jahr seltsame Krankheiten ausgebrochen, die viele Menschen dahingerafft haben. Sie glauben, dass es die Fremden sind, die Tod und Zerstörung bringen. Wir mĂŒssen uns vorbereiten.“
MaisblĂŒte hörte von ihrem Vater ĂŒber diese besorgniserregenden Nachrichten. Große-Schlange schĂŒttelte energisch den Kopf. „Wir mĂŒssen diese Fremden aufhalten, ehe sie Tod und Zerstörung zu uns bringen! Der Heilige Mann soll seinen Zauber ĂŒber sie ausbreiten, damit wir sie vernichten können!“
MaisblĂŒte erkannte sehr wohl die Gefahr, in die sie sich begab. Aber sie war eine Jungfrau und so war es ihre Aufgabe, das Volk zu schĂŒtzen. Es war nicht mehr nur eine abenteuerliche Reise, sondern eine heilige Handlung. Sie musste packen, damit sie am nĂ€chsten Tag ihre Reise antreten konnte. Ihr war seltsam zumute, denn sie war noch nie von ihrem Dorf entfernt gewesen. Atahachi lag drei bis vier Tagesreisen von Mabila entfernt und mindestens einmal mussten sie einen Fluss ĂŒberqueren. Sie hatte keine Ahnung, wie diese Fremden, von denen der HĂ€uptling gesprochen hatte, sein wĂŒrden. „Mutter!“, bat sie mit bangem Herzen. „Was wird von mir erwartet, wenn wir diesen Fremden begegnen?“
Die Mutter faltete einen Umhang zusammen und legte ihn bedĂ€chtig in einen Tragekorb. „Du wirst es wissen, wenn du dort ankommst! Mach dir keine Sorgen! Der Heilige Mann wird dir sagen, was zu tun ist. Und es werden so viele Krieger dabei sein, die euch schĂŒtzen werden.“
„Und wenn es zum Kampf kommt?“
„Tuscalusa wird nicht in Atahachi kĂ€mpfen! Er lockt diese Fremden hierher. Warte nur ab!“ Die Mutter klang so zuversichtlich, dass MaisblĂŒte ihre Zweifel beiseite schob. Es wĂ€re respektlos, ihre Mutter weiter zu Ă€ngstigen.
„Außerdem sind auch unsere anderen Dörfer befestigt. Wir haben ĂŒberall Krieger, die sich zu verteidigen wissen“, fuhr die Mutter fort. „Du darfst dich nicht mit zu vielen Gedanken quĂ€len, denn sonst kommt Impashilup und frisst deine Seele. Denke an gute Dinge, denn das wird dich schĂŒtzen!“
MaisblĂŒte schob sich eine StrĂ€hne ihres Haares nach hinten, die ihr vor die Augen gefallen war. „Ach, ich bin einfach nur aufgeregt“, murmelte sie entschuldigend. Sie sagte nicht, dass auch die Dörfer der StĂ€mme weiter im Osten befestigt gewesen waren. Dort hatten sich die Menschen nicht schĂŒtzen können.
Die Mutter lĂ€chelte. „Tochter! Ich wĂ€re auch aufgeregt, wenn ich so eine Reise machen dĂŒrfte. Du wirst die anderen Dörfer sehen und viele Menschen treffen. Du hast eine wichtige Aufgabe!“
MaisblĂŒte nickte geschmeichelt. „Ja, ich weiß. Man ist nur einmal die Jungfrau des Heiligen Mannes. Bald werde ich eine Frau sein und heiraten, dann kann ich diese Dinge nicht mehr tun.“
„Erinnere dich an die Tugenden und an die Aufgabe, die dir anvertraut wurden. Du begleitest den Hopaii und den Minko, um diesen Fremden zu begegnen und Schaden von uns abzuwenden. Das ist ehrenvoll.“
MaisblĂŒte senkte den Blick. „Ich weiß. Ich werde tun, was von mir verlangt wird.”
„Hier, diese Sachen ziehst du auf der Reise an, damit deine schönen GewĂ€nder geschont werden.“ Die Mutter gab MaisblĂŒte einen einfachen Schurz und einen Umhang aus Hirschfell. Es wurde bereits kĂŒhl, sodass es klug war, an wĂ€rmere Kleidung zu denken. Außerdem reichte sie ihr Mokassins, die mit einer weiteren Sohle verstĂ€rkt waren. Meist liefen die Menschen einfach barfuß, aber der Weg war lang und steinig. Es gab Wege zwischen den Dörfern, doch fĂŒr einen langen Fußmarsch war es besser, Mokassins zu tragen. Zwischen Mabila und dem nĂ€chsten Dorf musste ein Berg ĂŒberwunden werden, der als unwegsam galt. Dann wickelte die Mutter ein wenig Wegzehrung in MaisblĂ€tter. Sie vertraute darauf, dass die Krieger unterwegs Wild jagten, aber ein bisschen getrocknetes Fleisch und Fladen wĂŒrden MaisblĂŒte unterwegs guttun. Dann suchte sie einen ausgehöhlten KĂŒrbis, in dem MaisblĂŒte Wasser mitfĂŒhren konnte. Anschließend fĂŒhrte sie ihre Tochter zur Chukka des Hopaii. Dort wĂŒrde sie mit den anderen MĂ€dchen die Nacht verbringen, um dann am Morgen die Reise anzutreten.

 

Rezension im Magazin fĂŒr Amerikanistik (Ausgabe 1/ 1. Quartal 2018)

Donnergrollen im Land der grĂŒnen Wasser

Die frĂŒhe Kontaktperiode in Nordamerika, als im nordamerikanischen Osten die ersten Kolonisten an Land gingen und von SĂŒdamerika aus spanische „Entradas“ nordwĂ€rts zogen und mit Feuer, Kreuz und Schwert in indianische Siedlungsgebiete einfielen, gehört zu den eher vernachlĂ€ssigten Themen im deutschen Indianerroamn. Dabei bietet diese Zeit von vor fast 500 Jahren nicht nur eine facettenreiche Geschichte, sondern mehr als ausreichend Stoff fĂŒr fesselnde ErzĂ€hlungen. Die „BĂŒhne“ fĂŒr große Romanhandlungen, fĂŒr Emotionen, Dramatik, Triumph und Tragödie ist durch die Protagonisten jener Zeit, die von blutigen Eroberungen und Missionierungen geprĂ€gt war, gut bereitet.

Das Hauptinteresse vieler Menschen in Europa liegt heute eher auf der Besiedelung der westlichen Weiten Nordamerikas. Diese Periode gewann aber erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts an Dynamik, also relativ spÀt. Und sie dauerte nur wenige Jahrzehnte.

MerkwĂŒrdigerweise ist der Vormarsch der Spanier, die von SĂŒdamerika und Mexiko aus in den amerikanischen SĂŒdwesten einfielen und nordwĂ€rts bis in die Great Plains und darĂŒber hinaus vordrangen, so gut wie vergessen.

Die kolonialen Eroberungen in den Gebieten der Großen Ebenen und Rocky Mountains, sowie auf dem Plateau und an der Pacific-KĂŒste waren in ihren AblĂ€ufen schlimm genug. Was sich aber im 16. Jahrhundert unter FĂŒhrung der spanischen Konquistadores und der sie begleitenden Missionare abspielte, war von so unglaublicher BrutalitĂ€t, dass es selbst in den Tagen des SpĂ€tmittelalters und der frĂŒhen Neuzeit jeden Rahmen sprengte.

Dieser neue Roman Kerstin Groepers fĂŒhrt zurĂŒck in jene Zeit, die von christlich-abendlĂ€ndlichem Kulturimperialismus geprĂ€gt war, fĂŒr den die eingeborenen Völker teuer bezahlen mussten.

„MaisblĂŒte“, eine junge Choctaw-Indianerin am Alabama River, wĂ€chst im Dorf ihres Vaters auf. Zu dieser Zeit bereitet sich hoch im Norden ein junger Menominee namens Machwao auf seine erste große Handelsreise in den SĂŒden vor. Das Leben der beiden jungen Indianer aus verschiedenen KulturrĂ€umen nimmt eine dramatische Wendung, als spanische Konquistadores von SĂŒden heraufziehen. Die Spanier zerstören auf ihrer Suche nach Gold alles, was sich auf ihrem Weg befindet.

Aber nicht nur Gier und Missionierungsdrang werden zur Todesgefahr fĂŒr alle Völker, denen sie begegnen. Sie bringen Krankheiten mit, die den Indianern bis dahin unbekannt waren und gegen die sie sich nicht wehren können. Die Spanier brechen jeden Widerstand und verschleppen junge MĂ€nner und Frauen. Auch MaisblĂŒte gerĂ€t zunĂ€chst in die Sklaverei und spĂ€ter in Gefangenschaft der Menominee. Ihr Leben verbindet die HandlungsstrĂ€nge dieser umfangreichen, von historischen und kulturellen Elementen geprĂ€gten Geschichte miteinander.

Geschichte, und sei sie noch so intensiv und detailliert skizziert, bleibt oft steril. In einem gut recherchierten und geschriebenen Roman erwacht sie zum Leben. Dabei ist es immer das menschliche Schicksal, das Geschichte erlebbar macht. Das Schicksal Einzelner, mit dem der Leser sich identifizieren kann.

Das Drama eiens ganzen Volkes, einer ganzen Region mag noch so groß sein – es sind die Erfahrungen eines Einzelnen oder weniger Menschen, die direkt unter die Haut gehen. Der Leser erfĂ€hrt Tragik, Leid und Freude weitaus intensiver.

Indem die Autorin die historischen Ereignisse auf ihre Protagonisten projeziert, wird all das, was sich vor Jahrhunderten abgespielt hat, gegenwÀrtig und greifbar.

Denkweisen, MentalitĂ€ten, Weltsicht – das alles Ă€ndert sich ĂŒber lange ZeitrĂ€ume. Menschliche Emotionen bleiben Ă€hnlich. Der Leser von heute kann Angst, Zweifel, Schmerz und Freude bildhaft nachempfinden. In Verbindung mit geschichtlichen AblĂ€ufen verlieren solche VorgĂ€nge die wissenschaftliche Distanz.

Dieser Roman bietet ein starkes StĂŒck Leben, die Reflektion einer Zeit, die scheinbar weit weg ist, der wir alle aber – wenn wir uns in der Welt umschauen, noch immer weitaus nĂ€her ist, als es uns lieb ist. Dieser Roman bietet daher mehr als nur gute Unterhaltung: Ein spannendes Leseabenteuer. Das Buch hĂ€lt dem Leser auch einen Spiegel vor. Sehr empfehlenswert. (Dietmar Kuegler)

Rezension im Amerindian Research Band 12 /4 2017:

Kerstin Groeper entfĂŒhrt uns in ihrem neuen Roman wieder nach Nordamerika, diesmal jedoch in eine andere Region als sonst. Die Rahmenhandlung bildet der Entdeckungszug des Hernando de Soto, der von 1538 bis 1542 durch den SĂŒden der heutigen USA zog und auf der Suche nach dem Pazifik war – dem direkten Weg nach China. Die Geschichte beginnt mit der Konfrontation zwischen den Spaniern und den Tuscalusa im heutigen Alabama. Hier lernt der Leser die  Hauptheldin MaisblĂŒte kennen. Sie wird gefangen genommen und muss als Sklavin mit den Spaniern ziehen. Diese ziehen kreuz und quer durch das Land, ohne eine Ahnung, wo sie sich wirklich befinden. Ein zweiter ErzĂ€hlstrang spielt bei den Menominee, die weit im Norden, im heutigen Wisconsin, zu Hause waren. Hier lernen wir den Haupthelden Machwao kennen. Geschickt versteht es Kerstin Groeper, die beiden HandlungsstrĂ€nge nach und nach immer enger zusammen zu fĂŒhren. Dabei erzĂ€hlt sie eine Geschichte voller Spannung, die auch die ganze BrutalitĂ€t der spanischen Eroberer beschreibt. Wie bei ihren historischen Romanen ĂŒblich, hat die Autorin die Fakten sehr grĂŒndlich studiert und trotz der fiktiven Geschichte entsteht vor dem Leser ein authentisches Bild der indianischen Gesellschaften am Mississippi im 16. Jahrhundert. Der Inhalt der Geschichte soll hier nicht wiedergegeben werden. Es sei nur so viel gesagt, dass sich die LektĂŒre des Buches beim Leser einprĂ€gen wird. Es ist mit Sicherheit eines der besten BĂŒcher der Autorin. MK

Kerstin Groeper als Tochter des Schriftstellers Klaus Gröper in Berlin geboren, verbrachte einen Teil ihres Lebens in Kanada. In Kontakt mit nordamerikanischen Indianern entdeckte sie ihre Liebe zur indianischen Geschichte, Kultur und Sprache. Sie lernte Lakota, die Sprache der Teton-Sioux und ist aktives Mitglied einer Vereinigung, die sich der UnterstĂŒtzung zum Fortbestehen der Sprache und Kultur der Teton-Sioux widmet und Mitarbeiterin beim Aufbau der Lakota Village Circle School auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota. In Deutschland fĂŒhrt sie regelmĂ€ĂŸig Referate und Seminare ĂŒber die Sprache, Kultur und SpiritualitĂ€t der Lakota-Indianer durch. Kerstin Groeper arbeitete als Autorin fĂŒr Omni und Penthouse und schreibt heute Artikel zum Thema Indianer u.a. fĂŒr das renommierte Magazin fĂŒr Amerikanistik. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Kindern in der NĂ€he von MĂŒnchen

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