Wild Willy Westbahn f├╝r den Tassilo vorgeschlagen

Kandidat f├╝r Tassilo: Nicht alles im Leben ist Rock 'n' Roll

09.05.2012, 11:42 2012-05-09 11:42:17

Von Rita Baedeker

Der Musiker Willy Mertl aus Grafing spielt Benefizkonzerte, schreibt B├╝cher und sammelt ungew├Âhnliche Dinge.

Es ist nicht alles Rock'n'Roll im Leben eines Rockmusikers. Auch f├╝r Willy Mertl alias Wild Willy Westbahn gab es in den vergangenen 50 Jahren nicht blo├č Spa├č, Sex, n├Ąchtliche Fahrten im Bandbus und willige Groupies. "Ned ois blo├č Rock'n'Roll" lautet der Titel der zu Beginn dieses Jahres erschienenen Biografie des Musikers, einer von ironischer Selbstbespiegelung gepr├Ągten Sammlung von Geschichten aus dem Leben des Guitar-Highlanders aus Dichau bei Grafing. Ned ois blo├č Rock'n'Roll - das gilt auch f├╝r seine Musik, zu der Country-Metal, neu arrangierte Hits der Beatles, sanfte Songs sowie englische und bairische Texte geh├Âren

Seine Liaison mit der Musik begann, als er ein kleiner Bub war. Eine klassische Gesangsaubildung, die ihn beinahe zu den Regensburger Domspatzen gef├╝hrt h├Ątte, intensives Klavierspiel, eine enge Bindung an die Mutter, die mit knapp 50 Jahren starb, und ein schwerer Unfall (seine erste letzte ├ľlung bekam er als Sechsj├Ąhriger in der Kinderklinik von Steinh├Âring) pr├Ągten die Kindheit, die er als einsamer und, wie er erz├Ąhlt, "├╝berbeh├╝teter" Pechvogel mehr ├╝ber- als erlebt hat. Zum Spielen hatte er nichts als einen Hund mit Rollen zum Draufsetzen und einen Blechkran.

Ned ois Rock'n'Roll! Da gab es zum Beispiel die Gef├Ąngniszelle, in der ihn der ehemalige Grafinger B├╝rgermeister Kleinmeier wegen ruhest├Ârenden L├Ąrms am liebsten gesehen h├Ątte. Da gab es das karge Kinderheim mit Essensentzug und anderen Repressalien, da gab es den Motorradunfall, den Verlust der ersten und einzigen gro├čen Liebe und andere Lebenskatastrophen, die andere, zarter besaitete junge Menschen h├Ątten straucheln lassen. "G├Ąbe es einen Eintrag im Guinessbuch der Rekorde f├╝r die meisten Fahrten in einem Krankenwagen - ich w├╝rde ihn gef├╝hlt bis heute noch halten", schreibt der eigenen Angaben zufolge als "Frohnatur" geborene Lebensk├╝nstler unverdrossen. Gro├č gewachsen, sehnig, mit dunklen halblangen Haaren, Hut, Leder und viel schwerem Silberschmuck, verk├Ârpert er einen ungez├Ąhmten Mann mit Selbstbewusstsein und starkem Ego. Er lebt in seinem Elternhaus und h├╝tet dort einen stetis wachsenden Schatz aus pr├Ąparierten Skorpionen und Vogelspinnen, 160 Gitarren und anderen Saiteninstrumenten, 30 000 Filmen, Dreh-Requisiten wie Daniel Craigs 007-Feuerzeug und Christopher Lamberts Schwert aus dem "Highlander", dazu Uhren, B├╝cher und andere Devotionalien, die von seiner Sammelleidenschaft und seiner Liebe zu alten, mystisch angehauchten Dingen k├╝nden.

Wenn Gott sich offenbart, dann meist in wenig spektakul├Ąrer Weise. Zu Mertl kam der "Gott der Musik" in Form eines schlichten Kassettenrekorders, den ein Freund des Vaters anschleppte und aus dem der Song "Red River Rock" von "Johnny and the Hurricanes" drang. Er ├╝bte den Song rauf und runter. "Es war der erste, den ich live auf einer B├╝hne gespielt habe - mit Red Willy & the Arrows." Sp├Ąter hat ihn Ralph Siegel entdeckt. Inzwischen arbeitet Mertl mit Eric Clapton ebenso wie mit dem ├ľxinger M├Ąnnergesangverein; er macht Filmmusik, spielt Benefizkonzerte, zum Beispiel in der Montessorischule in Niederseeon, und unterst├╝tzt notleidende Musiker, weshalb sein pubert├Ąrer Sohn ihn schon mal gelegentlich mit den Worten "Aha, der Gutmensch" begr├╝├čt. Der K├╝nstlername "Westbahn" ist ├╝brigens eine Hommage an den von Mertl gesch├Ątzten ├Âsterreichischen Rocker Kurt Ostbahn, den Bruder des Schauspielers Lukas Resetarits (Kottan). Den Namen "Highlander" hat er sich von Christopher Lambert, dessen Film-Schwert er besitzt, geliehen.

Die drehbuchgerecht aufbereiteten Geschichten aus dem Leben eines "Bruchpiloten", wie Mertl von seiner Mutter genannt wurde, sind aber nicht sein einziger Ausflug in die Schriftstellerei: Da gibt es noch die Geschichte von Sam und einem Au├čerirdischen, der sich au├čerhalb der Zeit bewegen kann. Die Idee gefiel dem mittlerweile verstorbenen Regisseur Bernd Eichinger so gut, dass er aus dem Stoff einen Film machen wollte. Nicht alles im Leben ist Rock 'n'Roll". Allen romantischen Vorstellungen zum Trotz, sagt Mertl, sei Musik zu machen ein ├Ąu├čerst hartes Brot. "Es fordert einem alles ab."

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