Warum Yakari kein Indianer ist

Ăśber Stereotypen und andere Klischees

Warum Yakari kein Indianer ist …

 

Alle Kinder lieben Yakari. Wenn man heute irgendwelche Kinder fragt, welche Indianer sie kennen, dann antworten sie meist nur noch mit „Yakari“. Winnetou oder auch Pocahontas sind inzwischen kaum mehr geläufige Namen.

 

Kurz zum Hintergrund:

Yakari ist eine Comicfigur, die bereits in den 70iger Jahren entwickelt wurde. Autor war André Jobin (Schweiz), gezeichnet wurde der Comic von Claude de Ribaupierre (Schweiz und bekannt für „Die Schlümpfe“). Bereits 1983 entstand daraus eine französische Comicserie mit 52 Episoden. Später wurden unsgesamt 104 Episoden in 8 Staffeln ausgestrahlt. Auf Kika läuft die Serie non-stop.

 

Zum Inhalt: (aus Wikipedia)

Yakari, der Protagonist der Geschichten, ist ein junger Sioux. Yakari fällt vor allem wegen seiner großen Liebe zur Natur und zu den Tieren auf. Er besitzt als einziger im Stamm die Fähigkeit, mit Tieren sprechen zu können. Diese Fähigkeit hat er von Großer Adler, seinem Totel, erhalten. Dadurch gewann er in der Vergangenheit viele Freunde und Verbündete unter den Waldbewohnern. Yakari trägt ein fransenbesetztes Lederhemd, eine braune Lederhose und einen Lendenschurz. Außerdem trägt er Mokassins oder Sandalen. Sein Markenzeichen ist eine Feder, die immer in seinem Haar steckt. Er kleidet sich somit im Stil der Prärie-Indianer. Yakari ist der einzige Indianer, dessen Name keine weitere Bedeutung hat.

 

Bereits die Inhaltsangabe zeigt, wie wenig „Yakari“ tatsächlich mit den „Sioux“ zu tun hat:

Die Sioux hatten keine Hosen und sicherlich auch keine Sandalen. Auch das Wort „Totem“ ist hier nicht passend, da es aus einem anderen Kulturkreis stammt.

 

Wenn man die Serie sieht, fallen zuerst die offensichtlichen Fehler auf:

 

  • Die Landschaft schwankt in den Zeichnungen von der Schweiz bis nach Arizona, manchmal in darauffolgenden Sequenzen und mit Tannen, wie man sie in den Präriestaaten ĂĽberhaupt nicht findet.

  • Hin und wieder laufen Krokodile oder Wildschweine durch das Bild

  • Flora und Fauna erinnern generell mehr an die Schweiz als an Nordamerika

 

Beim zweiten Hinschauen wundert man sich über die Vielfalt der Stämme, mit denen die Sioux offensichtlich Kontakt hatten:

 

  • Ein Totempfahl der NordwestkĂĽsten-Indianer neben einem Tipi?

  • Ein Rindenkanu der Waldlandstämme des Ostens in einem Gebiet, wo man diese Rinde/ Bäume  gar nicht findet?

  • Pferde auf einer Koppel?  Wo findet man auf der Prärie so viel Holz, um eine Koppel zu bauen und von was ernähren sich diese armen Ponys, wenn sie auf einer Koppel eingesperrt sind?

  • Das Stirnband der Apachen bei einem Sioux-Jungen?

  • Tontöpfe der Pueblo-Indianer bei einem Nomadenvolk?

  • Und, und, und ….

 

Wer jedoch Kontakt zu Indianern hat, wundert sich über das Verhalten dieser „Indianer“:

 

  • JĂĽngere Krieger, die sich äuĂźerst respektlos gegenĂĽber Ă„lteren verhalten

  • Freche Kinder

  • Jungen und Mädchen, die miteinander spielen … und das bei einem Volk, bei dem es sogar ein Bruder-Schwester-Tabu gegeben hat!

  • Wölfe, die in europäischer Tradition erst als „böse“ dargestelt werden (das wĂĽrde keinem Indianer einfallen!)

  • Jagen wird als Sport/Wettkampf dargestellt

  • Indianer, die in mittelalterlicher Manier auf ihre Trommeln einhauen

  • Es wird ĂĽberhaupt keine Spiritualität gezeigt

  • BĂĽffeljagd ohne vorherige Zeremonie

  • Kinder, die sich morgens im Zelt waschen (fehlt nur noch Zähneputzen!)

  • Falsche Wortwahl ( Wokonda anstelle von Wakan-tanka)

  • Deutsche Beleidigungen (es gibt keine Schimpfworte in der Sioux-Sprache)

  • Den Kindern wird falsches Verhalten bei Gefahr beigebracht (zum Beispiel das Wegrennen vor einem Puma/ Bär fördert das Jagdverhalten des Tieres)

  • BĂĽffel werden  als „Feinde“ dargestellt

  • Es wird niemals gezeigt, dass man etwas zurĂĽckgibt, wenn man etwas nimmt (Tabakopfer)

  • Die Balance des Universums wird nicht gezeigt

  • Sehr klischeehafte Darstellung von „indianischen“ Typen … „MĂĽder Krieger“,etc ….

  • Das Mädchen „Regenbogen“ trägt ein Stirnband wie Ntscho-tschi …das hatten Sioux nicht

  • Viele Inhalte aus europäischen Märchen, die auf „Indianer“ umgesetzt werden

  • Ăśberhaupt keine indianischen Mythen, Legenden oder Schöpfungsgeschichten

     

 

Da es hier nicht nur um eine Vereinfachung der Serie fĂĽr ein junges Publikum geht, sondern generell Stereotypen und Klischees  dargestellt werden, kann man nicht mehr davon sprechen, dass „Yakari“ ein Indianer ist. Grundsätzliche indianische Etikette und Denkweise werden gerade hier nicht vermittelt, sondern das Stereotyp des „Indianers“ lediglich verwendet, um andere Themen zu transportieren. Die Serie ist gut geeignet, um Kindern die Bedeutung von Umweltschutz und den Umgang mit Tieren und der Natur zu vermitteln. Sie ist aber nicht geeigent, irgendwelches Wissen ĂĽber „Indianer“ zu vermitteln. Ganz im Gegenteil: Hier wird so sehr mit Klischees gespielt, dass  dringend Aufklärung und eine Korrektur des Bildes ĂĽber „Indianer“ stattfinden muss. Wichtige Grundsätze, wie der Respekt zu allen Dingen und Lebewesen, Spiritualität, Etikette, Höflichkeit und Achtung werden nicht in der Weise wiedergegeben, wie Indianer sie darstellen wĂĽrden. Grundsätzlich sind nur einige wenige Charaktere „achtsam“, nämlich Yakari … während die anderen „erzogen“  werden mĂĽssen. Auch diese Sichtweise ist ausgesprochen europäisch. Durch die ungenaue Darstellung der Stämme wird ein Bild verbreitet, als wären alle Stämme gleich gewesen.  Auch hier ist Aufklärung ĂĽber die Vielfalt der Stämme/ Kulturen und Sprachen von Nöten. 

 

Dies stellt keine Bewertung dieser Comic-Serie dar, sondern soll lediglich aufzeigen, dass es sich bei Yakari nicht um einen „Indianer“ handelt. Indianische Freunde bestätigen dies ebenfalls. Sie waren entsetzt, welchen Unsinn unsere Kinder sehen.

 

Wenn Kinder gefragt werden, was denn in Yakari nicht stimmt, fällt ihnen meist nur eins auf: dass man ja gar nicht mit Tieren sprechen kann ….  Das halten wir aber eher fĂĽr stimmig!

 

Kerstin Groeper

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