Wade-Fernandez-auf-Tour-durch-Deutschland

Nach unserem Wochenende bei den Karl May Festspielen trennten sich die Wege von Wade und uns wieder. Wade fuhr mit seinen Kindern zu einem Konzert nach Offenbach, und wir kehrten in den sonnigen Süden zurück. Bereits zwei Tage später holten wir Wade und die Kids am Hauptbahnhof in München ab… zu einem weiteren Konzert in unserer Nachbarschaft. Die Herrmannsdorfer Landwerkstätten luden ein zu einem indianischen Abend mit Lesung und der wundervollen Musik von Wade (habe ich mir immer schon gewünscht!).

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Es war Mittwoch und doch erschienen am Abend an die 50 Gäste. Ich las aus meinem Roman „Die Feder folgt dem Wind“ (passenderweise eine Stelle mit Liebesflöte), dann übernahm Wade und erzählte von seinem Volk, den Menominee. Seine Kinder hatten inzwischen Marco-Lucas (mein Sohn) Spielzeug entdeckt und waren einen wahren Spielrausch verfallen. Sie verzichteten auf das Konzert und blieben lieber bei uns zuhause. (We can hear Daddy every day!)

Wade fühlte sich pudelwohl und improvisierte die wunderbarsten Melodien. Der Abend endete natürlich mit einem Rounddance. Wade fand es toll, dass endlich auch Zeit gewesen ist, etwas mehr von sich und den Menominee zu erzählen! Am nächsten Tag besuchten wir die Montessorischule in Niederseeon. Geplant war eigentlich ein Kennennlernen der Kinder mit den Kindern von Wade, aber die beiden Jungs waren so schüchtern, dass sie kaum ein Wort hervorbrachten- waren Indianer vielleicht gar nicht so wild?

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Die Kinder von Wade meinten später, dass deutsche Kinder „crazy“ sein….grins!

Am nächsten Tag ging es weiter nach Plauen- ein kurzes, sehr schlecht besuchtes Intermezzo im „wilden“ Osten von Deutschland. Ich glaube, wenn wir betont hätten, dass Wade spiritueller Führer seines Volkes ist, und inzwischen den Spiritual Award für seine meditative Musik erhalten hat, dann wäre die Bude voll gewesen.

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Weiter ging es nach Wietzendorf (sucht mal auf der Landkarte, wo das ist. Tipp: südlich von Soltau). Wade und die Kinder waren beeindruckt, wie unterschiedlich Deutschland ist und genossen sichtlich den uralten Hof, in dem das Konzert stattfinden sollte. Auch hier gab es einen Vortrag über die Menominee, gehalten von unseren Gastgeber Hans Heinrich , außerdem zeigte Wade einige uralte, persönliche Bilder. Anschließend folgte das Konzert: Wade stellte sich hier super auf das ältere Publikum ein und spielte seine ruhige Flötenmusik….Wahnsinn!

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Um 7 Uhr morgens brachen wir wieder auf. Wade brachte das Wunder zustande, tatsächlich pünktlich mit den Kindern auf der Straße zu stehen, aber ich hatte auch eindringlich auf sie eingeredet, dass wir gegen Mittag eine Fähre nach Wyk (Nordsee!) erwischen mussten! Wir schafften es tatsächlich (die Kinder hielten noch den Busfahrer zur Fähre auf, während ich die Tickets kaufte!)

Auf Wyk wurden wir von Theodor Örtl, von Beruf „Inselindianer“ abgeholt. Er ist eingetragenes Stammesmitglied der Ojibway, und Wade fand es ziemlich lustig, einen Ojibway zu treffen, der akzentfrei deutsch spricht und fast kein Englisch. Am Nachmittag gab Wade ein Konzert in der dortigen Kirche (wunderschön!), organisiert von Birgit Wildemann, und ich hatte eine Lesung mit „Blitz im Winter“. Vielen Dank an Theodor und Birgit für die Organisation und herzliche Gastfreundschaft, die wir erfahren durften.

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Morgens früh um sechs….wartete bereits die Fähre auf uns. In Rekordzeit nach Hamburg, wo ich Wade und die Kinder samt Musikinstrumenten am Flughafen absetzte. Der Plan sah vor, dass Wade mit den Kindern nach München fliegt, dort von meinem Mann aufgegabelt wird und von dort zur Wülzburg gefahren wird, damit er um 16 Uhr ein Konzert spielen kann.

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Ob das wohl geklappt hat? Ja! Zum Glück, denn ich traf dort mit dem Auto erst um 18 Uhr ein- wäre also für das Konzert zu spät gewesen! Ich finde aber in 6 Stunden von Hamburg nach Weißenburg ist auch kein schlechter Schnitt. Um 20 Uhr folgte die zweite Show des Abends…

Wade spielte hier vor großem Publikum, das auch keinen „Indianer“ erwartet hatte. Hier sah ich einen Künstler, der problemlos in die Trickkiste greift und einige tolle Jonny Cash Hits zum Besten gab. Doch als er seine Gitarrensolos spielte, wurde es plötzlich still und erstaunte Augen wandten sich der Bühne zu…ein wahrer Künstler, der es verstand auch hier das Publikum in den Bann zu ziehen.

 

Tja, und dann näherte sich der letzte Tag. Wade und die Kinder übernachteten in der Wülzburg und fanden das natürlich super. Aber ein Wunsch war noch übrig geblieben: eine mittelalterliche Burg! Also, nichts wie hin in die Pappenheimerburg. Hier gibt es noch richtige Burgmauern, Türme und eine mittelalterliche Folterkammer zu sehen. Ich wurde jedoch zunehmend kleinlauter, denn die Kinder bestanden darauf, dass ich alle Folterinstrumente genau erkläre. Wozu waren sie da, was machte man damit. Rad flechten? Schandgeige für Musiker, die falsch spielen? Mit großen Augen starrten mich die Kinder an, und Wade konnte es sich nicht verkneifen zu fragen, wer hier eigentlich die Barbaren waren?

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Am Nachmittag brachte ich die drei nach Offenbach zu einem Freund, der sie am nächsten Tag nach Frankfurt zum Flughafen fahren wollte. Es war eine wunderschöne Zeit und ich hatte besonders Quintin und Little Wade sehr lieb gewonnen! Wade bedankte sich für die professionell durchgeplante Tour….hehe…und lud mich ein, ihn doch mal auf der Menominee-Reservation zu besuchen. Sofort…aber natürlich kommt alles immer ganz anders….

 

Kerstin Groeper

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