Reise-Nach-Pine-Ridge-2010

Ende Mai (zwei Tage nach Wades Abreise) saß ich ebenfalls im Flieger nach Amerika. Zusammen mit Renate flog ich nach Denver, um von dort aus eine Rundreise aller wichtigen Stätten meines Romans „Die Feder folgt dem Wind“ zu machen. Renate wollte nämlich alle Plätze live erleben! Wir brachen von Denver nach Norden auf und besuchten die Originalschauplätze der Siedlerströme: Scotts Bluff, Fort Laramie, Register Cliff, Oregon Trail Ruts. Untergebracht waren wir für zwei Tage bei der Familie Maybee im Barn Anew Bed and Breakfast, nicht ahnend, auf welches Juwel wir hier zufällig gestoßen waren, denn die beiden haben 20 Jahre lang auf der Wind River Reservation der Shoshone gearbeitet und hatten das ganze Haus voller indianischer Andenken. Außerdem waren die beiden tatsächlich den gesamten Oregontrail entlanggeritten, und Allan war mit dem Kanu die alten Handelswege des Platteflusses gepaddelt. Geschichten, wie am Lagerfeuer!

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Unsere Reise fĂĽhrte weiter nach Norden, vorbei an den Agatha Fossil Beds, eine Ausgrabungsstelle fĂĽr Mammuts, mit einem beeindruckend Museum mit indianischen Artefakten aus der Red Cloud Familie.

 

Von dort ging es endlich in die Black Hills. Wind Cave, Custer State Park, Crazy Horse Memorial und die alte Goldgräberstadt Deadwood. Hier machten wir einen Abstecher nach Sturgis und besuchten Ernie LaPointe, den Urenkel von Sitting Bull. Aus einem kurzen Frühstück wurde schnell der ganze Tag und so saßen wir lachend und scherzend beieinander und lauschten auf die faszinierenden Geschichten, die Ernie zu erzählen hatte, gut bekocht von Sonja, seiner deutschen Frau! Wir lernten zwei wunderbare Menschen kennen und als Autorin freue ich mich besonders, dass nun der TraumFänger Verlag die Rechte bekommen hat, Ernies Buch über seinen Urgroßvater „Sitting Bull“ zu übersetzen. Vielleicht können wir uns ja für die Gastfreundschaft revanchieren und die beiden kommen nächstes Jahr zu einer Lesetour zu uns?

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Wir mussten am Abend noch bis nach Rapid City und verabschiedeten uns schweren Herzens….am liebsten wären wir noch geblieben! In Rapid besuchten wir am nächsten Morgen das Prairie Edge- Wunschtraum aller Indianerfans, denn hier gibt es wirklich alles! Am besten gefielen mir jedoch die wunderschönen Cradles (Babytragen), angefertigt von dem wunderbaren Künstler Kevin Fast Horse (Preis je Trage 3500 Dollar – autsch!)

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Endlich auf den Weg nach Pine Ridge! Am nächsten Tag fuhren wir den weiten Weg von Rapid nach Pine Ridge, streiften dabei die ersten Ausläufer der Badlands (die hier eigentlich überall sind). Wir blieben für einige Tage im Singing Horse Trading Post und machten von dort aus Abstecher in die Umgebung. Rosie Freier war eine tolle Gastgeberin und wir fühlten uns sofort „ganz wie zuhause“. Wir hatten in Rapid noch eingekauft, sodass es am Abend leckere Spareribs gab. Rosie bereitete sich gerade auf den Crazy Horse Ritt vor und hatte einen kleinen Gast da: Jaden. Ihm haben wir es zu verdanken, dass wir Rosie überreden konnten, mit uns einen Ausflug zu Pferde zu machen. (Hilfe- ich war 15 Jahre auf keinem Pferd mehr gesessen!). Wo seid ihr denn hingeritten, fragte Renates Mann. Wohin? Erster Kaktus links und dann immer geradeaus. In Amerika kann man nirgends hinreiten…dafür sind die Entfernungen einfach zu groß.

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Rosies „Tradingpost“ war die ideale Basis für all unsere Aktivitäten. Der Handelsposten mit „Bed und Breakfast“ liegt mitten in Pine Ridge und ist auch für die dortigen „Natives“ Anlaufstelle für ihre Einkäufe. So kommt man zwanglos in Kontakt- wie das Foto, wo ich beim Jingle Dance zu sehen bin, beweist. Man ist einfach „mit dabei“. Hier lernte ich auch Babette Thin Elk, eine sehr engagierte Lakota-Lehrerin und Enkelin von Black Elk kennen, die uns zum Barbecue einlud. Ein sehr lustiger, unvergesslicher Abend!

Von Rosies Handelsposten aus schleppte ich Renate zu all meinen Freunden, die ich besuchen wollte. Henry Red Cloud, der leider nicht da war, sich aber trotzdem über den deutschen Kaffee gefreut hat, den ich zurückgelassen habe. Leonard Little Finger, dem ich die versprochenen Handpuppen mitgebracht habe. Renate hat die Kleidung in mühevoller Kleinarbeit angefertigt und freute sich natürlich, dass sie dieses Geschenk nun persönlich überreichen konnte. Leonard zeigte uns seine Schule, den Sonnentanzplatz seiner Familie und den Gedenkstein, der an der Stelle errichtet worden ist, an dem er die Skalplocke seines Urgroßvaters Chief Bigfoot dem Feuer übergeben hat. Es war sehr bewegend und wir trauten uns nicht, dort Fotos zu machen.

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Wir besuchten ein Powwow der Little Wound High School, fuhren weiter zum Oglala Lakota College, und statteten Dallas Chief Eagle einen Besuch ab, um ihm die Tantiemen des Buches „Wintercount“ in bar zu bringen. Von Pine Ridge aus machten wir einen Abstecher zum Bear Butte (war schlecht geplant- ich weiß), und besuchten auf dem Rückweg einen Antik Markt.

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Langsam näherte sich das Ende unserer Reise, und doch stand uns das Schönste noch bevor. Ich wusste, dass von Fort Robinson der Crazy Horse Gedenkritt starten würde, und so machten wir uns auf den Weg nach Chadron, um vielleicht einige Fotos zu schießen. Rosie und Jaden würden ja auch mit dabei sein, und so fühlten wir uns nicht ganz fremd. Am zweiten Tag lief uns jedoch ein gut gelaunter Dallas Chief Eagle über den Weg, der mir grinsend sein Pferd in die Hand drückte und meinte, ob ich nicht mitreiten wollte. Freilich. Nach einer kurzen Kostprobe entschloss ich mich doch, stattdessen seinen Pferdeanhänger zu fahren. Renate fuhr unseren Leihwagen und ich setzte mich an das Steuer eines überdimensionalen Jeeps, bei dem ich noch nicht einmal die Kupplung fand. Auf meinem Schoß hatte ich sofort den kleinen Hund von Dallas, der hechelnd die Zunge aus dem Fenster streckte. Ich drehte die Scheiben lieber ein bisschen höher, weil ich Angst hatte, dass er vielleicht hinaushüpfte. Langsam fuhr ich hinter all den anderen Trucks her, in meinem Anhänger ein Pferd, das wie wild hin und her tänzelte. Oh Mann. Mittags gab es eine Pause und plötzlich, (weil wir ja den Truck fuhren) gehörten wir quasi mit zu den Reitern und wurden ebenfalls verpflegt. Am Spätnachmittag erreichten wir den Platz, an dem die Reiter dieses Mal übernachten wollten. Es war der letzte Lagerplatz von Crazy Horse, ehe er aufbrach, um sich in Fort Robinson zu ergeben. Mystisch! Absolut einmalig. Wir sahen Felsen, auf denen einst Späher über das Dorf gewacht hatten und eine Grube, in der früher ein Mann gelauert hat, um einen Adler die Federn herauszuziehen. Es war ein berührender Anblick, wie in der Dämmerung schließlich die jungen Reiter eintrafen – müde, und stolz!

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Die Lakota Horsemenship unterstützt mit Geldern aus Deutschland dieses Projekt und ich kann nur bestätigen, dass es auch ankommt. Überall standen Kinder mit glänzenden Augen, stolz drauf, Lakota zu sein. Essen wurde ausgegeben und T-Shirts über die Teilnahme an den Ritt verteilt. Ein wunderbarer, unvergesslicher Tag! Ja, und dann kam der Abschied. Am nächsten Tag fuhren wir den weiten Weg zurück nach Denver…viel zu schnell und viel zu kurz. Wir hatten viel erlebt und die Eindrücke waren gerade für mich so überwältigend, dass ich im August gleich ein ganzes Kinderbuch fertig geschrieben habe. Auf bald!

 

 

Kerstin Groeper

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