Karl-May-Festtage Radebeul 2010

Vom 15. Mai bis zum 16. Mai 2010 fanden in Radebeul die 19. Karl May Festtage statt. Wie das Jahr zuvor war Kerstin als Moderatorin fĂŒr das indianische Powwow am Hohen Stein eingeladen worden. Am Mittwoch machten wir uns auf den Weg nach Radebeul, da Kerstin bereits am Donnerstag beim Country FrĂŒhschoppen des Karl May Museums das Buch von Dallas Chief Eagle „Wintercount“ und ihre neusten Romane „Die Feder folgt dem Wind“ und „Blitz im Winter“ vorstellte. Der Country FrĂŒhschoppen war wieder ein sehr schöner und familiĂ€rer Beginn der Festtage. Bei den insgesamt drei Lesungen waren gut doppelt so viele Zuhörer anwesend wie das Jahr zuvor, was uns natĂŒrlich sehr freute. Besonders schön an diesen Lesungen ist immer der persönliche Kontakt zu den Lesern und die Gelegenheit ĂŒber die Geschichte und Gegenwart der IndianerstĂ€mme zu sprechen.

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Lesung im Karl May Museum

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Doug George, Joanne, Wade, Kerstin und Bruno

Am Freitag holten wir Wade Fernandez und seine beiden Söhne Quentin (7 Jahre)und Wade jr. (10 Jahre) vom Bahnhof ab und versorgten die Kinder erst einmal mit Gummistiefeln und ein paar Sweatshirts. Keiner von uns, am allerwenigsten Wade hatte mit einem so regnerischen und kalten Wetter gerechnet. Am Hohen Stein kam es zu einem schönen Wiedersehen mit guten Freunden, wie Kathy Desh, Dwayne and Mae Frost, Stuart Sandylance, Nelson Redsun sowie Lim und Sandra Namingah.

Ebenfalls am Freitag lernten wir Joanne Shenandoah und ihren Ehemann Doug George Kanentiio kennen. WĂ€hrend Kerstin mit Joanne die Auftritte besprach, hatte ich ausgiebig Gelegenheit mich mit Doug George zu unterhalten. Doug George ist Stammeshistoriker und Tribal Spokesman der Mohawk Nation und gilt als einer der bedeutendsten indianischen Historiker. Ich erzĂ€hlte ihm, dass ich vor Jahren seine Kritik an dem Film „Der letzte Mohikaner“ in einer deutschen Website veröffentlicht hatte und mir damit einigen Ärger mit „James Fenimore Cooper Fans“ eingehandelt habe. Dies war der Beginn stundenlanger, außerordentlich interessanter, GesprĂ€che ĂŒber die Geschichte und Kultur der Mohawk. Das Wissen von Doug George ĂŒber die Geschichte seines Stammes ist zutiefst beeindruckend und vermittelt ein weitgehend differenziertes Bild ĂŒber die Mohawk, fernab der gĂ€ngigen Klischees von den grausamen und kriegerischen Irokesen. Die GesprĂ€che mit ihm bewiesen mir einmal mehr, wie wichtig es ist, dass die Geschichte der IndianerstĂ€mme auch von indianischen Historikern aufgearbeitet wird.

NatĂŒrlich wollten Joanne und Doug George mehr ĂŒber Kerstins BĂŒcher erfahren und so erzĂ€hlte Kerstin von ihren Ideen, Intentionen und den Inhalt ihrer BĂŒcher. Sie fragten Kerstin, warum bisher keiner ihrer Roman bei den Irokesen handle. Als Kerstin darauf antwortete, dass sie nur Romane ĂŒber StĂ€mme schreibe, zu denen sie persönlich Kontakt habe und sie es nie wagen wĂŒrde nur mit Wissen aus BĂŒchern etwas ĂŒber die Irokesen zu schreiben, bot Doug George ihr an, sie bei einem Buchprojekt ĂŒber die Irokesen als Berater zu unterstĂŒtzen. Kerstin wurde erst vor Überraschung rot im Gesicht, dann bekam sie leuchtende Augen und ich hatte den Eindruck, dass in diesem Moment eine Geschichte in ihrem Kopf zu entstehen begann.

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Kerstin ĂŒbersetzt Mythen und Legenden der Mohawk

Wieder einmal hatten wir die Erfahrung gemacht, dass Indianer kein Problem haben, wenn Weiße ĂŒber sie schreiben, solange diese BĂŒcher in Zusammenarbeit mit Vertretern der StĂ€mme entstehen, ĂŒber die sie handeln.

Mit Joanne und Doug George haben wir zwei außerordentlich liebenswerte und faszinierende Menschen kennen gelernt, die uns schließlich auch noch einluden sie in den USA zu besuchen.

Am Samstagmorgen besuchte ich mit Wade und seinen beiden Kindern das Karl May Museum. Der Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des Museums Herr Köhler ließ es sich nicht nehmen Wade das Museum persönlich zu zeigen, der sehr interessiert am Museum und an der Person von Karl May war. Besonders interessant fand er die Ausstellung ĂŒber die Hobbyisten in der ehemaligen DDR. Da er unbedingt einen Karl May Roman lesen wollte, besorgte ich ihm Winnetou I, der in englischer Sprache erschienen war. Augenzwinkernd meinte Wade:: „Nun muss ich wohl einen Song ĂŒber Winnetou und sein großen weißen Bruder Old Shatterhand schreiben“.

Wie das Jahr zuvor hatten sich die Veranstalter der Karl May Festtage eine große MĂŒhe gegeben und jeder, der dem schlechten Wetter trotzte, war begeistert. Mit dem Auftritt von Joanne Shenandoah und Wade Fernandez hatten die Veranstalter die kĂŒnstlerische QualitĂ€t des letzen Jahres noch ĂŒbertroffen! WĂ€hrend Joanne zusammen mit Doug George am Hohen Stein im Rahmen des Powwows auftrat, hatte Wade seine Konzerte in Little Tombstone. Zwischen den Liedern von Joanne erzĂ€hlte Doug George von der Geschichte und Kultur der Irokesen und es gelang ihm damit sicher einige Stereotypen ĂŒber dieses Volk bei den Zuhörern aus der Welt zu schaffen. Kerstin war die ganze Zeit im Einsatz, einmal als Moderator des Powwows, dann als Übersetzer fĂŒr die ErzĂ€hlungen von Doug George und den Songtexten von Joanne. Joanne und Doug George widmeten das Konzert Karl und Clara May, fĂŒr ihren Verdienst den Grundstein fĂŒr das Interesse und die positive Einstellung gegenĂŒber den Indianern in Deutschland gelegt zu haben.

Der Höhepunkt der Veranstaltung war das abendliche Konzert am Hohen Stein bei dem Joanne und Wade gemeinsam auftraten. ZunĂ€chst trat Wade auf, dann Joanne und schließlich standen beide gemeinsam auf der BĂŒhne. Obwohl sich beide von ein oder zwei Open Air Veranstaltungen in den USA kannten, waren sie noch nie zusammen aufgetreten. Joannes glasklare, tragende Stimme untermalt von ihrer Akustikgitarre zusammen mit Wade’s Elektrogitarre und seinem rockigen Gesang bescherte den Zuhörern ein faszinierendes und einmaliges Musikerlebnis. Jeder, der trotz KĂ€lte und schlechtem Wetter gekommen war, wurde so mit einem außergewöhnlichen Konzert belohnt, das es nur hier am Hohen Stein gab.

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Wade und Joanne, zwei wunderbare KĂŒnstler

Dem Leiter der Veranstaltung Herrn Lange und dem kĂŒnstlerischen Leiter Herrn Raeder gilt das sehr großes Kompliment, dieses einmalige kulturelle Erlebnis auf die Beine gestellt haben und damit den Ruf der Veranstaltung als interkulturelles Ereignis weiter gefestigt zu haben.

Zum GlĂŒck besserte sich das Wetter am Sonntag und bot einen schönen Abschluss der Karl May Festtage. Die beiden Söhne von Wade, Wade jr. und Quentin fanden die Festtage „cool“. Wade hatte seinen beiden Söhnen je einen Spielzeugrevolver gekauft und so lieferten sie sich unterstĂŒtzt von unserem Sohn Marco-Luca stundenlange Gefechte mit kleinen Cowboys, die ganz ehrfĂŒrchtig erstaunt waren, wenn Marco-Luca ihnen erklĂ€rte, dass seine Freunde „echte Indianer“ seien.

Als wir uns am Montag nach einer Lesung in einer Schule in Radebeul auf den Weg nach Hause machten, waren wir traurig, dass die schönen Tage in Radebeul schon wieder vorbei waren.

Bruno SchmÀling

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Joanne und Kerstin

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Rounddance am Hohen Stein

 

 
 

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