Neu
Waheenee

Waheenee

9,90 € inkl MwSt.

„Ich wurde in einer ErdhĂŒtte an der MĂŒndung des „Knife“-Flusses auf dem Gebiet des heutigen Nord Dakota geboren. Das war drei Jahre nach dem Pockenwinter.“

So beginnt die Geschichte von Waheenee, eines MĂ€dchens der Hidatsa, die 1839 in diesen fast ausgerotteten Stamm hineingeboren wird. 1906 besuchte Gilbert Wilson die Hidatsa auf ihrer Reservation bei Fort Berthold und studierte dieses Volk, oder besser gesagt, was davon noch ĂŒbrig war. Drei Jahre spĂ€ter kehrte er zurĂŒck und verbrachte fortan zehn Jahre lang jeden Sommer mit den Hidatsa. Eine seiner wichtigsten Zeitzeuginnen war Waheenee-wea, BĂŒffel-Vogel-Frau, die ihm ihre Lebensgeschichte erzĂ€hlte.

Ein authentisches  Zeugnis ĂŒber das Leben eines Indianer-MĂ€dchens, sowohl fĂŒr Kinder als auch fĂŒr Erwachsene.

Rezension im Amerindian Research

Rezension im Magazin fĂŒr Amerikanistik

Rezension im Amerindian Research Band 12 /4 2017:

Der TraumfĂ€nger Verlag bleibt seinem Ziel treu, gute Indianerliteratur auch fĂŒr Kinder anzubieten. So hat man sich entschlossen, die ErzĂ€hlungen des MĂ€dchens Waheenee vom Stamm der Hidatsa in die deutsche Sprache zu ĂŒbertragen, um sie auch einem jĂŒngeren Publikum nĂ€her zu bringen, das der englischen Sprache nicht so weit mĂ€chtig ist, um das Original zu lesen. Im Jahre 1906 besuchte der Ethnologe Gilbert Wilson die letzten verbliebenen Hidatsa auf ihrer Reservation, um sie zu studieren. Drei Jahre spĂ€ter kehrte er zurĂŒck, um danach zehn Jahre lang jeden Sommer erneut dort zu verbringen. Eine seiner wichtigsten Zeitzeuginnen war Waheenee (1839 geboren). Sie erzĂ€hlte Wilson, der im Auftrag des American Museum of Natural History unterwegs war, ihre Lebensgeschichte. Diese erschien erstmals 1921 und wurde inzwischen mehrfach wieder aufgelegt. Dass sie nunmehr auch in deutscher Sprache verfĂŒgbar ist, erweist sich als GlĂŒcksfall fĂŒr die deutschen Leser – egal ob Kind oder Erwachsener; denn neben vielen Erinnerungen aus ihrer eigenen Kindheit behielt Waheenee auch viele ErzĂ€hlungen ihrer Großmutter im GedĂ€chtnis und gab diese spĂ€ter  weiter. Die Illustrationen von Frederick N. Wilson passen hervorragend zur ErzĂ€hlung, zeichnen ebenso wie der Text ein authentisches Bild eines Stammes, der vor allem durch die Berichte von Lewis und Clark bekannt wurde, aber von dem trotzdem nicht sehr viele Einzelheiten bekannt waren. Die Geschichte des IndianermĂ€dchens, das zur Frau heranwĂ€chst und zum Zeitpunkt seiner Berichterstattung selbst schon Großmutter ist, nimmt den Leser mit auf eine Reise in eine lĂ€ngst vergangene Zeit. Durch Waheenee bekommt der Leser einen tiefen Einblick in den Alltag der Hidatsa. MK

Rezension im Magazin fĂŒr Amerikanistik Heft 4 / 4 Quartal 2017

„Ich wurde in einer ErdhĂŒtte an der MĂŒndung des Messer-Flusses auf dem Gebiet des heutigen Nord-Dakota geboren. Das war drei Jahre nach dem Pockenwinter.“

Mit diesen SĂ€tzen beginnt die bemerkenswerte Geschichte des Hidatsa-MĂ€dchens Buffalo Bird Woman, in ihrer eigenen Sprache „Waheenee“. Geboren 1839, erzĂ€hlte sie ab 1906 dem amerikanischen Anthropologen Gibert L. Wilson ihre Geschichte. Es ist die Geschichte einer indianischen Frau, aber es ist zugleich die Geschichte ihres Volkes.

Es gab einmal eine Zeit, als mĂŒndlich ĂŒberlieferte Geschichte schriftloser Völker von der Wissenschaft missachtet oder ĂŒbersehen wurde; selbst piktographische Symbole als Schriftersatz wurden – weil fĂŒr Außenstehende unverstĂ€ndlich – hĂ€ufig als „primitive Kunst“ eingestuft, wĂ€hrend sie doch tatsĂ€chlich als GedĂ€chtnisgrundlage fĂŒr die Bewahrer der Stammeshistorie eine SchlĂŒsselfunktion hatten.

Die frĂŒhen Reisenden, Trapper und PelzhĂ€ndler wußten es besser. Schon sie begannen mit der Aufzeichnung von Geschichten, die die Ältesten eines Indianervolkes erzĂ€hlten, und mit der Beschreibung von Symbolen, die Leben, Sitten und Brauchtum reprĂ€sentierten. Nach deren Zeit begann die Periode der Kriege, Eroberungen und VerdrĂ€ngungen, in der kulturelle Mißachtung Programm war.

Gilbert L. Wilson gehörte zu einer neuen Generation von Wissenschaftlern, die Geschichte und Kultur der Indianervölker in deren eigenen kollektivem GedĂ€chtnis suchten und mit Leidenschaft, Hingabe und EinfĂŒhlsamkeit dokumentierten, was sie sahen und hörten.

Diese Völker lebten um 1900 alle auf Reservationen und schienen ihre Traditionen zu verlieren. Menschen wie Waheenee, die ĂŒber ein gutes GedĂ€chtnis verfĂŒgten und ihre Erinnerungen bewahrt hatten, waren daher von unschĂ€tzbarem Wert und retteten eine einzigartige Kultur vor dem Versinken in die Vergessenheit.

Kultur und Geschichte – das sind scheinbar imposante Begrife, mit denen nach abendlicher Auffassung umwĂ€lzende, bedeutende Ereignisse und Verhaltensweisen umschrieben werden. Auch dieser Mythos aus der Zeit von ObrigkeitsglĂ€ubigkeit, als nur eine bestimmte Klasse als KulturtrĂ€ger angesehen wurde, löst sich glĂŒcklicherweise auf.

TatsĂ€chlich steht jeder Einzene tagtĂ€glich mit seinen Handlungen und Entscheidungen fĂŒr die kulturelle RealitĂ€t eines Volkes.

Die Erinnerungen und ErzĂ€hlungen von Waheenee stehen in eben diesem Kontext. Diese Hidatsa-Frau reflektiert mit ihrem persönlichen Erleben die ganze Geschichte ihres Volkes, ob sie nun darĂŒber spricht, wie gekocht und gegessen wurde, wie die alltĂ€gliche Arbeit der Frauen ablief, wie Kinder heranwuchsen und erzogen wurden,wie Hygiene gehandhabt wurde, die Reaktionen auf Sonne und Regen, auf Krankheit, Geburt und Tod, oder ob sie Zeremonien beschreibt, spirituelle Vorstellungen, Eheschließungen, Bisonjagden, Ernten, die Rolle von Mann und Frau, die FĂŒhrungsstrukturen in ihren Dörfern, verwandtschaftliche und soziale Bindungen, die Sicht auf Krieg und Frieden. Es gibt keine „BanalitĂ€ten“, keine Unwichtigkeiten. Kultur ist allumfassend und die Grundlage des tĂ€glichen Lebens. Jede Einzelheit ist ein Stein in diesem Puzzle, das letztendlich ein großes Ganzes bildet, aus dem das VerstĂ€ndnis fĂŒr eine andere Lebensart und ein anderes Volk erwĂ€chst.

Waheenee erzĂ€hlt ihr Leben und eröffnet damit den Blick in eine untergegangene Welt, deren Reichtum und Weisheit des Erinnerns wert ist. Von besonderer Bedeutung ist noch, daß die Hidatsa und Mandan zu den Völkern an der Schnittstelle zwischen PrĂ€rien und Plains lebten und Elemente beider Regionen reprĂ€sentierten. Hier öffnet sich ein weiter Horizont. Ihre Dörfer waren Zentren fĂŒr Handel und Wandel in der Welt der nomadischen, seminomadischen und seßhaften Völker, fĂŒr den Austausch von Waren und Nachrichten. So blieb es auch, als die ersten Weißen als Entdecker und HĂ€ndler kamen. Der wirtschaftliche und politische Einfluß der Hidatsa und Mandan war enorm, bis die großen Pockenepedemien ihren einzigartigen Status kollabieren ließen und fast völlig vernichteten.

Gerade deshalb kommt den Erinnerungen Waheenee eine so große Bedeutung zu, weil sie eine der letzten ihres Volkes war, die ĂŒberliefern konnte, was die ihr folgende Generation schon nicht mehr kannte oder vergessen hatte.

Waheenee berichtete in einer einfachen, klaren Sprache. Sie erzÀhlte die alltÀglichen Dinge ebenso, wie die bedeutenderen Ereignisse ohne Schnörkel und falsches Pathos, und sie reflektiert, was ihr persönlich wichtig war und was besonderen Eindruck bei ihr hinterlassen und ihren Lebensweg geprÀgt hat.

Professor Gilbert hat der Versuchung widerstanden, als Wissenschaftler zu selektieren. Er hat getreulich aufgeschrieben, was Waheenee gesprochen hat, weil ihm klar war, daß jedes Wort von Bedeutung war. So ist ein Buch von umfassendem kulturellem Wert entstanden, ein SchatzkĂ€stlein, das das Leben der Indianervöker auf den nordwestlichen Ebenen nicht nur wissenschaftlich, sondern menschlich dokumentiert. Keine abstrakte völkerkundliche Studie, sondern ein vitales StĂŒck Leben. Und, natĂŒrlich, wenn man es so ausdrĂŒcken will, eine erstrangige Quelle der Geschichte der Hidatsa.

Den Rezensenten haben aber vor allem die persönlichen EindrĂŒcke Waheenees berĂŒhrt, die Schilderungen, wie ihre Großmutter ihr regelmĂ€ĂŸig die Haare geschnitten und dabei alte Legenden und Mythen erzĂ€hlt hat, wie die Kinder Schabernack trieben, spielten und scherzten, wie der Familienzusammenhalt funktionierte.

Dieses Buch öffnet ein Fenster in eine faszinierende Welt. Die Übersetzung ins Deutsche ist mit großer EinfĂŒhlsamkeit gelungen. Das Werk ist daher ein LesevergnĂŒgen. Eine echte Bereicherung. Dietmar Kuegler.

ZurĂŒck zur Übersicht Titel

Das könnte Sie auch interessieren

ZurĂŒck zur Übersicht