Angebot
Die Farben der Sonne, die Geschichte der Steinpferde

Die Farben der Sonne, die Geschichte der Steinpferde

5,90 ‚ā¨ inkl MwSt.

Jugendbuch um einen Indianer, der nichts davon wissen will. Erst die Liebe zu den Pferden seines Gro√üvaters zeigt ihm ein anderes Leben auf der Lakota-Reservation.

Buch

Rezension 4/2014

Rezension

Leseprobe

Autor

Blue McKanzie, ein zwölfjähriger Großstadtjunge, schlägt sich nach dem Tod seiner Mutter allein durch die Straßen
Chicagos. Sein Vater, der die Familie verlassen hatte, als sein Sohn f√ľnf war, l√§sst den Jungen auf Anweisung des Jugendamtes von der Polizei einfangen und tritt das Sorgerecht an Wayton Stone Horse ab, den Gro√üvater des Jungen. Doch Blue hat ganz andere Lebensvorstellungen und ist nicht begeistert, als er feststellt, dass er zur H√§lfte Indianer ist und nun auf der Pine Ridge Indianerreservation leben soll. Nur seiner Schwester Bonnie zuliebe ertr√§gt er die anf√§nglichen Schikanen und unterdr√ľckt den Impuls, einfach wieder abzuhauen. Und dann sind da noch die Pferde ‚Ķ und Gro√üvater Wayton, der einen eigent√ľmlichen Zauber auf ihn aus√ľbt. Als pl√∂tzlich die Pferdeherde der Familie verschwunden ist, muss auch Blue sich bew√§hren.

Rezension im Magazin f√ľr Amerikanistik Ausgabe 4/2014

 

Die Farben der Sonne

 

Wenn man dieses Buch liest, fragt man sich, warum nicht mehr B√ľcher dieser Art erscheinen. Indianer repr√§sentieren nicht nur eine historische Kultur, sie sind auch Menschen unserer Zeit, leben in unserer Welt, versuchen im ‚ÄěSchmelztigel‚Äú Nordamerikas, in dem jeder unwiderstehlich  einbezogen wird, ihre eigene Identit√§t zu bewahren. Sie gehen ihren eigenen Weg, und sie l√∂sen die Fragen des Alltags auf ihre ganz eigene Art.

Ihr Lebensumfeld bietet sich f√ľr geschickte Autoren f√∂rmlich als Kulisse an  - und der Autor leistet damit nicht nur Unterhaltungsarbeit, er hilft mit daran zu erinnern, da√ü es noch immer Indianer gibt, da√ü eine kleine, hochinteressante Volksgruppe existiert, die sich vom Konglomerat anderer Gruppierungen abhebt und unsere Aufmerksamkeit ben√∂tigt.

Hinzu kommt, da√ü das Buch von Brita Rose-Bilert eine gute Erz√§hlung ist. Eine spannende Geschichte, √ľberzeugende Charaktere, gut geschrieben.

Blue McKanzie, ein zw√∂lfj√§hriger Gro√üstadtjunge, schl√§gt sich nach dem Tod der Mutter allein in den Stra√üen Chicagos durch. Sein Vater, der die Familie verlassen hatte, als der Junge f√ľnf Jahre alt war, l√§√üt ihn auf Anweisung des Jugendamtes einfangen und tritt das Sorgerecht an Wayton Stone Horse ab, den Gro√üvater. Doch Blue hat andere Lebensvorstellungen. Er ist nicht begeistert, als er erf√§hrt, da√ü er zur H√§lfte Indianer ist und ab jetzt auf der Pine Ridge Reservation in South Dakota leben soll. Nur seiner Schwester Bonnie zuliebe ertr√§gt er die anf√§nglichen Schikanen und unterdr√ľckt den Impuls, einfach wieder abzuhauen. Aber sein Gro√üvater Wayton hat eine starke Wirkung auf ihn, und dann gibt es die Pferde der Familie. Als diese Tiere pl√∂tzlich verschwinden, mu√ü Blue sich bew√§hren. Er wird, um es griffig auszudr√ľcken, vom ‚ÄěStadtindianer‚Äú zu einem echten Lakota.

Dieser Roman enth√§lt Szenen, die den Charakter von traditionellen Western haben ‚Äď aber eben in unserer heutigen Zeit angesiedelt sind. Szenen, die an alte indianische Lebensweisen erinnern ‚Äď nur, da√ü die handelnden Personen Jeans und T-Shirts tragen und sich in der Sprache der Gegenwart unterhalten.

Rose-Billert kn√ľpft die Verbindung zwischen der historischen und der gegenw√§rtigen Welt. Sie zeigt mit der Art, in der ihre Figuren sich verhalten, die ungebrochene Linie zwischen dem Gestern und dem Heute.

Jeder von uns ist ‚Äď ob er will oder nicht ‚Äď Erbe seiner Kultur und tr√§gt Pr√§gungen in sich, die sich nicht absch√ľtteln lassen. Auch Blue McKanzie kann sich seines indianischen Erbes nicht entledigen. Es ist da, und es beeinflusst ihn und seine Handlungen. Brita Rose-Billert hat Einf√ľhlungsverm√∂gen und ihre gro√üe Pferdekenntnis kommt ihr bei diesem Werk auch zugute. Ein spannender Roman. Dietmar Kuegler

Die Farben der Sonne

AmerIndian Research, Bd. 8/3 (2013), Nr. 29 201

In diesem Buch geht es um Blue McKanzie, einen Jungen, der mit zw√∂lf Jahren bereits ein bewegtes Leben hinter sich hat und in Chicago auf der Stra√üe lebt, seit seine Mutter verstorben ist. Sein Vater, der den Kontakt zu seinem Sohn bereits fr√ľh abgebrochen hat, muss sich nach beh√∂rdlicher Aufforderung pl√∂tzlich um Blue McKanzie k√ľmmern und ist mit dieser Aufgabe erst einmal v√∂llig √ľberfordert. Deshalb tritt er das Sorgerecht an den Gro√üvater des Jungen ab. Damit beginnt ein neues Kapitel in dessen Leben, denn der Gro√üvater lebt auf der Pine Ridge Indianerreservation und ist ein waschechter Lakota. Blue McKanzie hat als Halbblut sofort Probleme in der neuen Umgebung, denn in der Schule wird er von vielen seiner Mitsch√ľler nicht akzeptiert. Aber es gibt zum Gl√ľck die Familie, und au√üerdem gibt es da noch die Pferde der Familie. Und diese sind es auch, die Blue McKanzie helfen, sich schnell in die neue und ungewohnte Umgebung zu finden. Er freundet sich auch bald mit seinem √§rgsten Widersacher an. Entscheidend sind das pl√∂tzliche Verschwinden der gesamten Herde und der Versuch, diese wieder zur√ľck nach Hause zu bringen. Auf der abenteuerlichen Suche nach den Pferden findet Blue McKanzie nicht nur einen Freund f√ľrs Leben, sondern erkennt auch sehr deutlich, wo er hingeh√∂rt und wo er in Zukunft leben m√∂chte. Au√üerdem entwickelt sich auch das Verh√§ltnis zu seinem Vater ganz anders, als es noch am Beginn des Buches schien. Man mag nach dem Lesen des Buches vielleicht meinen, die Autorin w√ľrde die ganze Entwicklung im Roman zu positiv malen. Aber sie zeigt mit diesem Buch auch, dass es begr√ľndete Hoffnungen f√ľr ein erf√ľlltes Leben auf Pine Ridge gibt. Und letzten Endes geht es hier nicht nur um Pine Ridge, sondern um das Verh√§ltnis der Kinder zu ihrer Familie √ľberhaupt. Dass Gro√üvater und Gro√ümutter eine besondere Rolle spielen, kommt im Buch besonders deutlich zum Tragen. Bei allem Optimismus, den dieses Buch ausstrahlt ‚Äď die gesamte Geschichte ist sehr realistisch und bietet dem Au√üenstehenden auch einen Einblick in das gegenw√§rtige t√§gliche Leben auf Pine Ridge. Ein sehr sch√∂nes Buch, das keinesfalls nur f√ľr Kinder geeignet ist. MK

Download des Artikels als PDF

Brita Rose-Billert Die Farben der Sonne

Blue Light Shadow

Die D√§mmerung beherrschte die engen Stra√üenschluchten. Es war weder Tag noch Nacht. Schwarze Wolken hatten sich bedrohlich √ľber den H√§userbl√∂cken der gro√üen Stadt ausgebreitet. Der Donner krachte wie ein Kanonenschuss. Dann prasselte der Regen mit aller Macht auf den Asphalt nieder. Zwei Jungen fl√ľchteten zwischen M√ľlltonnen, Dreck und Zigarettenkippen in das Kellerloch eines verlassenen Hauses. Der Regen verwandelte die Gasse innerhalb k√ľrzester Zeit in einen rei√üenden Bach. ‚ÄěDer Missouri kommt zu uns. Siehst du?‚ÄĚ Sie lachten.
Zusammengekauert, mit angezogenen Knien, sa√üen sie im Kellerloch und beobachteten die Regentropfen, die mit voller Wucht wieder vom Asphalt prallten. Der eine der beiden Jungen war gr√∂√üer als sein Freund. Sein ebenm√§√üig braunes Gesicht war etwas kantig und lie√ü ihn √§lter erscheinen als seine zw√∂lf Jahre. Das halblange, schwarze Haar glich einem Mopp, der allerdings aus dem Wasser gezogen und ausgesch√ľttelt worden war. Einige Haarstr√§hnen klebten √ľber dem Gesicht. Sie reichten √ľber die Nasenspitze bis fast zum Kinn. Das Regenwasser tropfte langsam
herab auf die verwaschene Jeans. Der Junge wischte es mit dem Arm zur Seite. Schwarze Augen funkelten sein Gegen√ľber an. ‚ÄěDu siehst aus wie eine gebadete Maus‚Äú, lachte der Junge, den Regen √ľbert√∂nend.
Das gesamte Kapitel herunterladen.

Brita Rose Billert wurde 1966 in Erfurt geboren und ist ausgebildete Krankenschwester, ein Umstand, der auch in ihren Romanen fachkundig zur Geltung kommt. Seit 2006 schreibt sie nicht nur √ľber Indianer, sondern in R√ľcksprache mit Native Americans. Der pers√∂nliche Kontakt ist ihr wichtig, denn nur so k√∂nnen diese beeindruckenden, so unterschiedlichen und besonderen Menschen wirklich in den Geschichten als Native Americans beschrieben werden. Auf ihren Reisen in Reservationen sammelte sie Fakten und Geschichten, h√∂rte zu und merkte irgendwann, dass auch sie beobachtet wurde. Daraus entstanden Kontakte und Freundschaften, erst ein L√§cheln, dann der Beginn, die andere Realit√§t zu verstehen. Brita Rose Billert hat bereits zwei Romane ver√∂ffentlicht, die die heutige Situation der Indianer beschreiben. Weitere Romane sind in Planung. Sie lebt mit ihrem Mann und einem Sohn in der kleinen Th√ľringer Stadt Greu√üen. Zur Familie geh√∂ren Kaninchen, der Foxterrier Willy und das Pferd ‚ÄěHeyoka‚Äú.

Zur Homepage des Autors

Zur√ľck zur √úbersicht Titel

Das könnte Sie auch interessieren

Zur√ľck zur √úbersicht